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Finanzen

2009: Die Abgeltungssteuer kommt! Was nun?

Christopher Cederskog am 24.11.08

„Lieber 25% von x, als 42 % von nix!“ diese Meinung vertrat der Bundesfinanzminister Steinbrück, als er seine Pläne für die Einführung der Abgeltungssteuer vorstellte. Die Finanzbranche reagierte umgehend. Den Anlegern werden seitdem verstärkt diverse Finanzprodukte angeboten, um die Folgen der Abgeltungssteuer zu kompensieren. Bis zum Jahreswechsel (01.01.2009) forcieren die Banken und Fondsgesellschaften ihre Werbekampagnen. Denn alle Investitionen vor dem 31.12.2008 unterliegen noch den alten gesetzlichen Regelungen.

Ab 2009 sollten die Anleger, die Abgeltungssteuer kennen um für den individuellen Vermögensaufbau die passenden Anlageformen zu wählen. Kurzschlussrektionen, wie die Auflösung des Aktiendepots sind weniger zielführend. In Hinblick auf die Abgeltungssteuer sind Anleihen, Sparkonten, Rentenfonds, Genusscheine, Bausparverträge, offenen Immobilienfonds, Reits und Termingeschäfte vorteilhaft. Von der Abgeltungssteuer negativ betroffen sein werden Aktien, Aktienfonds, Dachfonds, Fondssparen, Zertifikate und Private Equity Fonds. Neutral wirkt sich die neue Quellensteuer auf Lebensversicherungen, Riester- und Rürup-Renten, fondsgebundene Rentenversicherungen und geschlossene Fonds (Schiffsbeteiligungen und Immobilienfonds) so wie Gold aus.

Die Abgeltungssteuer in Kurzform

Zukünftig müssen die Steuerformulare KAP (Einkünfte aus Kapitalvermögen) und SO (Sonstige Einkünfte) nicht mehr ausgefüllt werden. Die Abgeltungssteuer ist nämlich eine Quellensteuer. Sie wird direkt an der „Quelle“ der Kapitalerträge, den Banken, erhoben werden. Diese müssen ab dem 01.01.2009 generell auf alle Dividenden, Spekulationsgewinne und Zinsen ihrer Kunden die Abgeltungssteuer in Höhe von 25% erheben. Dadurch ist die Steuerschuld gegenüber dem Finanzamt abgegolten. Jedoch fällt in den wenigsten Fällen diese Quellensteuer in Höhe von 25 % an. Durch den Solidaritätszuschlag erhöht sich der Steuersatz auf 26,4%. Ist der Anleger Mitglied einer der beiden großen Kirchen, summiert sich die Abgeltungssteuer mit der Kirchensteuer auf 28%. Mit Einführung der neuen Steuer zum 01.01.2009 entfällt das Halbeinkünfteverfahren. Die Dividenden und Gewinne aus dem Verkauf von Aktien genießen nun nicht mehr mit der Hälfte des individuellen Steuersatzes belegt. Einheitlich fallen 25% plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer an.

Alle Anleger deren Steuersatz niedriger ist als der Abgeltungssatz sollten sich vom zuständigen Finanzamt freiwillig veranlagen lassen. Wer unter die Günstigerprüfung fällt, spart deutlich Steuern.

Auch Stiftung Warentest hatte sich im März 2008 mit den Auswirkungen der Steuer beschäftigt.

Wen die Abgeltungssteuer zu Gewinnern macht:

Alle Anleger deren Steuersätze über 25% liegen, sparen dank der Abgeltungssteuer bei Anleihen, Sparkonten, Rentenfonds und Geldmarktfonds Steuern. Zu dieser Klientel zählen alle, deren jährliches Einkommen über 15.000 Euro bei Alleinstehenden und 30.000 Euro bei Ehepaaren übersteigt. Anstatt eines individuellen Steuersatzes von bis zu maximal 45% fallen, wenn der persönliche Sparerpauschalbetrag ausgeschöpft ist, ab dem 01.01.2009 nur noch 25% Abgeltungssteuer an. Dies ist der allgemeine Höchstsatz.

Wer Teile seines Vermögens in Festgeld investierte, zahlte nach der noch gültigen gesetzlichen Regelung 30 % Zinsabschlagssteuer, wenn der Freibetrag ausgeschöpft war. Diese steuerliche Belastung konnte später mit der Einkommenssteuer gegen gerechnet werden. Durch die Abgeltungssteuer fällt die steuerliche Belastung für Festgeld geringer aus.

Ebenfalls zu den Gewinnern der neuen Quellensteuer zählen die Anleger von Zerobonds. Die anfallenden Zinsen am Ende der Laufzeit wirken sich nicht mehr erhöhend auf die persönliche Steuerprogression aus.

Investoren die in einen offenen Immobilienfonds investiert haben, erhalten ihre Gewinne steuerfrei. Voraussetzung ist, der Ablauf der Zehn-Jahres-Frist und eine Ausschüttung Fondsgewinne an die Anleger. Mit der Abgeltungssteuer belegt werden die im Inland erzielten Mieterträge des Immobilienfonds. Hingegen unterliegen ausländische Mieterträge der Steuer des entsprechenden Landes und sind in Deutschland steuerfrei. Gleiches gilt, wenn im Ausland Immobilien eines Fonds verkauft werden.

Von der Abgeltungssteuer profitieren die Investoren von Termingeschäften. Wer Kursgewinne mit Puts, Calls und Futures erzielt, wird nur mit der Abgeltungssteuer belastet (maximal 28%). Im Gegensatz zu der noch geltenden Regelung, wirken sich die Erträge aus den Termingeschäften nicht mehr auf den eigenen Einkommenssteuersatz aus. Die Verluste können aufgrund der neuen gesetzlichen Regelung ohne Einschränkungen von anderen Kapitalerträgen abgezogen werden. Steuer mindernd wirken sich beispielsweise Bankspesen und Optionsprämien aus.

Bausparer können mit dem entsprechenden Tarif von der Abgeltungssteuer profitieren. 2009 wird die Befreiung von der Zinsabschlagssteuer für Bausparverträge gestrichen, die mit der Wohnungsbauprämie gefördert wurden. Ebenso tritt die Regelung außer Kraft, dass für Bausparguthaben die mit Guthabenszinsen bis zu einem Prozent ausgestattet keine Zinsabschlagsteuer erhoben wird. Die bis Ende 2008 geltende Regelung, dass für Bausparguthaben bis 1 Prozent Guthabenverzinsung keine Zinsabschlagssteuer anfällt, wird zum 1.1.2009 gestrichen. Ebenso erlischt ab 2009 die Regelung, dass Bausparverträge mit Wohnungsbauprämien-Berechtigung von der Zinsabschlagssteuer befreit sind. Durch einen niedrigen Guthabenszins bleibt der Sparerfreibetrag nahezu unangetastet. Im Gegenzug zu den geringen Zinsen auf das Bausparguthaben erhalten die Zielsparer ein Darlehen mit niedrigem Kreditzins.

Wen die Abgeltungssteuer negativ trifft:

Die momentane Regelung der steuerfreien Kursgewinne aus Aktien nach einem Jahr Spekulationsfrist gilt ab dem 01.01.2009 nicht mehr. Sämtliche Kursgewinne und Dividenden die mit Aktien erzielt werden, unterliegen der Abgeltungssteuer. Altbestände unterliegen nicht der Abgeltungssteuer. Sie können nachträglich beliebig erhöht werden. Werden sie neu investiert, so greift die Abgeltungssteuer. Ein weiterer Einschnitt im neuen Jahr für Aktionäre: Die Verluste von Aktiengeschäften können nach der neuen Regelung nur noch mit Kursgewinnen und nicht mehr mit anders erzielten Kapitalerträgen verrechnet werden. Drastisch dürfte sich auch der Wegfall des Halbeinkünfteverfahrens auf Aktionäre auswirken. Bei einem Spitzensteuersatz von 45% wurden die Aktiendividenden mit maximal 22,5% besteuert. Mit der Abgeltungssteuer werden Dividenden pauschal mit 25% Steuer belastet. Spesen wie die Kosten der Fremdfinanzierung von Aktien sind nicht mehr als Werbungskosten absetzbar. Für Aktionäre empfiehlt es sich, auf die Nachsteuerrenditen ihrer Aktien vermehrt zu achten.

Bei Aktienfonds wird ab 2009 die Abgeltungssteuer bei der jährlichen Dividende erhoben. Unbeachtlich der Haltefristen wird bei einem Verkauf von nach dem 01.01.2009 erworbenen Anteilen der Kursgewinn mit 25% Abgeltungssteuer belastet. Dies bedeutet ein faktisches Ende des Fondsprivilegs. Lediglich bei thesaurierenden Fonds besteht die Möglichkeit, bei einem Verkauf der Anteile von dem Kursgewinn die schon versteuerten Jahreserträge abzuziehen. Auf der sicheren Seite der Abgeltungssteuer befinden sich auch die thesaurierenden Fonds. Mit der Zuflussfiktion schaffte es der Gesetzgeber, auch Anleger von thesaurierenden Fonds mit der Abgeltungssteuer zu belegen. Die wieder investierten Erträge gelten steuerrechtlich als dem Anleger zugeführt. Bei Investments in ausländische Fonds müssen die erzielten Erträge in der Steuererklärung angegeben werden. Auch auf diese Kapitalerträge wird die Abgeltungssteuer erhoben. Für Dachfondsanteile, die nach der Einführung der Abgeltungssteuer erworben wurden, gelten die selben Bestimmungen.

Investitionen in einen Private-Equity-Fonds unterliegen ab 2009 ebenfalls der Abgeltungssteuer. Erträge und Gewinne aus Veräußerungen müssen versteuert werden. Diese waren bisher in den meisten Fällen steuerfrei. 2009 könnte sich ein Wechsel in eine gewerbliche Fondskonstruktion lohnen.

Bei den Zertifikaten werden Ausnahmen gewährt: Für alle Anleger die vor dem 15.03.2007 Zertifikate erworben haben, gilt der Bestandsschutz. Die alten gesetzlichen Regelungen behalten für diese Zertifikate ihre Geltung. Wer nach dem 14.3.2007 Zertifikate erwarb, kann diese bis spätestens 30.06.2009 steuerfrei veräußern. Bei Zertifikaten die nach dem 01.01.2009 gekauft werden, fällt die Abgeltungssteuer in voller Höhe an.

Wenig ändert sich bei den Lebensversicherungen. Bei einer Auszahlung unterliegt, nach einer Haltefrist von zwölf Jahren, die Hälfte des Ertrages dem individuellen Steuersatz des Anlegers. Eine unangenehme neue Regelung: Werden auf dem Zweitmarkt nicht privilegierte Policen verkauft, sind die Veräußerungsgewinne abgeltungsteuerpflichtig.

Weitere Informationen zur Abgeltungssteuer sind auch auf der Seite des Bundesministerium der Finanzen verfügbar. Des Weiteren hat der wissenschaftliche Dienst des Bundestages eine kurze Übersicht zur neuen Steuer bereitgestellt.

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