kontoblick - Behalten Sie Ihre Finanzen im Blick.

Studium und Berufsstart

Berufsstart

Christopher Cederskog am 24.11.08

Der Berufsstart verändert das Leben auf vielfältige Art und Weise. Nicht nur endet damit die Schulzeit und die täglichen Pflichten des Berufslebens stehen an, sondern für viele Berufseinsteiger gibt es zum ersten Mal selbst verdientes Geld in bisher nicht gewohnter Höhe. Das Geld bringt, neben den offensichtlichen schönen Dingen des Lebens, auch Pflichten und Verantwortung mit sich. Doch damit das Geld überhaupt in die eigene Tasche gelangen kann, braucht es an erster Stelle ein Girokonto.

Bei der Wahl der Girokontos stellt sich häufig die Frage: Direktbank oder Filialbank. Beide Varianten haben sowohl Vor- als auch Nachteile. Direktbanken werben häufig mit kostenlosen Girokonten, hohen Zinsen oder anderweitigen Vorteilen. Beim Service muss man allerdings auf eine persönliche Beratung durch einen Kundenberater vor Ort verzichten. Auf der andern Seite warten Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken wie die Deutsche Bank, Commerzbank oder Postbank mit einem breitem Filialnetz auf. Für die umfassende und persönliche Beratung von der Versicherung über die Rente bis zum Girokonto müssen allerdings niedrigere Zinsen und höhere Kontoführungsgebühren in Kauf genommen werden. Es bleibt also letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Ist das Gehalt auf dem neu eingerichteten Girokonto angekommen, stellt sich als nächstes die Frage, was tun mit dem hart erarbeiteten Geld? Der falsche Weg wäre es, das gesamte Geld direkt für Konsumgüter auszugeben. Schließlich ist seit vielen Jahren aus der Politik zu hören, dass schon im jungen Alter für die Rente gespart werden sollte.

Neben vielfältigen Sparmodellen wie Tages-, Festgeldern oder Bausparverträgen ist die klassische Form der Altersvorsorge die Rentenversicherung. Grundsätzlich ist es sinnvoll, früh mit der Zahlung für eine Rentenversicherung zu beginnen. Denn die Höhe der Beiträge richtet sich nach der Laufzeit, soll heißen, je länger die Anspardauer, desto niedrigere Beiträge können gewählt werden. Der Kern der Rentenversicherung ist relativ einfach. Der Anleger zahlt über mehrere Jahre oder Jahrzehnte einen monatlichen Betrag in die Rentenversicherung ein, um ab einem vorher vereinbarten Termin eine garantierte monatliche Rente oder eine Einmalzahlung zu erhalten. Diesen Kern sollten Berufsanfänger verinnerlichen und sich die Frage stellen: “Wie viel möchte ich wie lange monatlich bezahlen um eine Rente in welcher Höhe zu erhalten?”.

Wer diese Frage für sich klar definiert hat, wird schnell das für ihn passende Angebot finden. Und dazu besteht die Wahl aus drei Arten der Rentenversicherung:

Riester-Rente

Die Riester-Rente ist besonders attraktiv für Familien mit Kindern und Geringverdiener. Für Berufseinsteiger, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, gibt es als Anreiz einen einmaligen Einsteigerbonus von 200 Euro. Die jährliche maximale Grundzulage liegt bei 154 Euro, dazu gewährt der Staat eine weitere Zulage von 185 Euro für Kinder die vor 2008 geboren wurden und kindergeldberechtigt sind und 300 Euro für Kinder die ab 2008 geboren wurden. Um die volle Förderung zu erhalten, ist im Jahr 2008 eine Eigenleistung von mindestens 60 Euro zu erbringen. Für eine angemessene Rentenzahlung im Alter reicht dieser Betrag natürlich nicht aus, deshalb ist es hier sinnvoll, mit dem zuständigen Bankberater einen angemessen Ansparplan zu entwickeln. Darüber hinaus sind Teile der gezahlten Rentenbeiträge als Sonderausgaben in der Steuererklärung ansetzbar. Dieses führt zu einer Minderung des zu versteuernden Einkommens und damit zu einer geringeren Steuerlast.

Basis Rente (Rürup-Rente)

Die Rürup-Rente ist im Gegensatz zur Riester-Rente vor allem Personen mit höherem Einkommen, Freiberuflern oder Selbstständigen zu empfehlen. Dies liegt an der Ausgestaltung der staatlichen Förderung. Diese besteht aus der hohen Ansatzmöglichkeit der Rentenbeiträge als Sonderausgaben in der Steuererklärung. Da Berufsanfänger in den ersten Jahren im Normalfall über ein eher niedriges Einkommen verfügen, würde sich die Rürup-Rente nur lohnen, falls schon absehbar ist, dass das eigene Gehalt in naher Zukunft enorm steigt. Denn neben dem hohen Sonderausgabenabzug besteht hier keine weitere staatliche Förderung.

Private Rente

Die private Rente ist eine Vereinbarung zwischen der Rentenversicherung und dem Anleger. Hier werden keine expliziten staatlichen Förderungen angeboten. Das heißt, der Anleger sollte hier verschiedene Angebote für private Renten einholen und die Konditionen miteinander vergleichen. Für den Berufseinsteiger wäre der Abschluss einer privaten Rente verschenktes Geld, da er durch die Förderung und die staatliche Abschlussprämie bei der Riester-Rente umfassend versorgt ist und dazu noch über ein Rentenmodell verfügt, das der Staat besonders unterstützt.

Neben der Art des Rentenvertrages sind die Information über die inhaltlichen Bestandteile von besonderer Bedeutung. Schließlich gibt es bei jedem Rentenvertrag individuelle Ausgestaltungsmöglichkeiten, die sich auf die Rente und die Höhe der Beiträge auswirken. Die wichtigsten sind im folgenden kurz erläutert:

Die Rente sollte pfändungssicher sein. Das heißt, wer beispielsweise durch Arbeitslosigkeit in eine missliche Lage gerät, darf seinen Rentenvertrag und die dort eingezahlten Beträge beibehalten. Außerdem ist die Höhe und Laufzeit der garantierten Rente zu vergleichen. Dabei gibt es zwei bedeutende Kennziffern: Die garantierte und die voraussichtliche Rente. Die garantiere Rente ist der Betrag, der ab Beginn der Auszahlphase auf jeden Fall ausgezahlt wird. Die voraussichtliche Rente hängt mit der Entwicklung verschiedener Faktoren zusammen, beispielsweise wie gut die Rentenversicherung mit dem eingelegten Kapital wirtschaftet. Hier gilt es, zunächst die garantierte Rente bei unterschiedlichen Versicherungen zu vergleichen. Ebenso zu prüfen ist die vereinbarte Laufzeit der Rente, das heißt wie viele Monate und Jahre zahlt die Rentenversicherung die garantierte Rente auch wirklich aus.

Im Rahmen der Rentenversicherung arbeitet die Versicherungsgesellschaft mit dem eingelegten Kapital. Wie sie dies tut, kann der Anleger zum Teil selbst bestimmen. So hat er bei der Anlageform die Wahl zwischen “klassisch” und “fondsgebunden”. Bei der klassischen Variante wird das Geld konservativ angelegt und die Rendite ist dementsprechend sicher, dafür aber nicht so hoch. Bei der fondsgebundenen Variante hingegen wird das Geld in Wertpapieren angelegt. Das heißt, die Chancen für eine höhere Rendite und damit höhere Rente steigen, jedoch auch das Risiko am Ende nichts weiter als die ausgewiesene garantierte Rente zu erhalten. Welche Form die Richtige ist, liegt an der persönlichen Risikobereitschaft des Anlegers und dem Vertrauen in das Managements der Rentenversicherung.

Ein weiterer Teil des verdienten Geldes sollte der Berufseinsteiger zur persönlichen Absicherung nutzen. Dafür gibt es eine Reihe an Versicherungen, die je nach persönlicher Lage mehr oder weniger sinnvoll sind. Die Grundversorgung bei der Versicherung sind die gesetzlichen Pflichtversicherungen, die automatisch vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlt werden. Dies sind die Renten-, Pflege-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung. Darüber hinaus sind Berufseinsteiger als Beschäftigte, Arbeitnehmer und Auszubildende in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Diese sichert Risiken wie Arbeitsunfall, Berufskrankheiten oder aber Unfälle auf dem Weg zur Arbeit ab.

Diese Pflichtversicherungen können durch weitere private Zusatzversicherungen ergänzt werden. Sehr sinnvoll ist es, wie bereits oben beschrieben, eine zusätzliche private Rentenversicherung abzuschließen. Im gleichen Atemzug wird häufig die Lebensversicherung angesprochen. Hier zahlt der Versicherer im Normalfall eine monatliche Rate und erhält dann zu einem bestimmten Zeitpunkt oder bei Eintritt eines bestimmten Falles die Versicherungssumme ausgezahlt. Für den Berufseinsteiger stellt eine Lebensversicherung für den Anfang unnötige Kosten da. Denn viele der Funktionen der Lebensversicherung, wie Absicherung der Hinterbliebenen im Todesfall oder Auszahlung in einer Gesamtsumme, sind auch von der Rentenversicherung zu bewältigen. Wer hier also geneigt ist, eine Lebensversicherung abzuschließen, sollte sich zunächst über eine Rentenversicherung beraten lassen, die möglichst viele Bereiche einer Lebensversicherung abdeckt.

Darüber hinaus ist eine private Haftpflichtversicherung mehr als sinnvoll. Diese haftet für Personen- und Sachschäden die vom Versicherungsnehmer dritten Personen zugefügt werden. Dies gehört zur Grundausstattung, da laut Gesetz jeder für Schäden haften muss, die er einem anderen zufügt. Da jederzeit ein Missgeschick passieren kann, besteht ohne diese Versicherung die ständige Gefahr einer hohen Schadensersatzforderung. Eine Haftpflichtversicherung übernimmt diese Gefahr und trägt die entstehenden Kosten.

Neben der oben beschriebenen gesetzlichen Unfallversicherung, die Unfälle und Krankheiten im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis absichert, kann zusätzlich der private Bereich abgedeckt werden. Dies geschieht durch eine private Unfallversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Durch die freie Vertragsgestaltung bietet die private Unfallversicherung Absicherung bei jeder Art von Unfall, egal ob beruflich oder privat. Auch bei der Leistungserbringung gibt es einen breiten Gestaltungsspielraum, von der Höhe der Rentenzahlung bei Invalidität, Höhe und Umfang des Krankenhaustagegeldes, sowie die Übernahme von Bergungskosten bei Unfällen. Hier sollte jeder für sich entscheiden, welche Leistungen nötig sind und wie risikobehaftet die eigene Freizeitgestaltung ist.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) kommt zum Tragen, wenn der Beruf in Folge von Krankheit nicht mehr ausgeübt werden kann. Im Gegensatz zur gesetzlichen Unfallversicherung, die das Risiko der Berufskrankheit absichert, gilt die BUV für alle im Versicherungsvertrag festgelegten Krankheiten. Krankheit bedeutet in diesem Fall, wenn dem Versicherten ärztlich bestätigt wird, dass er unfähig ist seinen Beruf auszuüben. Ist dies der Fall, leistet die BUV die im Vertrag vereinbarte finanzielle Absicherung, wie beispielsweise prozentuale Weiterzahlung des bisherigen Gehalts. Es gibt allerdings bei der Ausgestaltung von Verträgen zur Rentenversicherung die Möglichkeit, gewisse Aspekte der BUV mit abzudecken.

Nachteil der BUV ist oft schwierige Anerkennung der Berufsunfähigkeit durch die Versicherung. Als Beispiel stellt sich die Frage, wann ein Büroangestellter komplett unfähig ist seine oder eine seiner Tätigkeiten auszuführen.

Dies sind die Grundversicherungen, die für den Anfang Sinn machen. Mit steigendem Einkommen stehen weitere Versicherungen wie die Rechtsschutzversicherung, die private Krankenzusatzversicherungen oder die Hausratversicherung zur Verfügung. Jedoch ist es hier sinnvoll genau zu prüfen, wie oft welche Versicherung zum Einsatz kommen könnte. Denn neben den Leistungen im jeweiligen Schadensfall kosten die Versicherungen jeden Monat einen festen Beitrag.

Ihr Kommentar