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Studium und Berufsstart

Das Studium intelligent finanzieren mit einem Studiendarlehen

Christopher Cederskog am 24.11.08

Studieren ist teuer. Nicht nur Dank der Einführung der Studiengebühren, sondern auch auf Grund der steigenden Lebenshaltungskosten und den “versteckten” Kosten für ein Studium. Fachliteratur, Computer, Semesterticket, Auslandsstudium, Praktikum oder auch unnötige Bummelsemester erweisen sich als zusätzliche Budgetfresser. Das geplante Studienende rückt in die Ferne, die Kosten steigen unaufhörlich. Bereits im Vorfeld sollte man sich deshalb ausführlich darüber informieren, welche Möglichkeiten es zur Finanzierung des Studiums gibt.

Voraussetzungen

Ein Baustein kann das Studiendarlehen oder der Studienkredit sein. Beide Begriffe werden synonym verwendet. Diese, in Deutschland relativ neue Form der Studienfinanzierung, ist eigens für die Bedürfnisse der Studierenden konzipiert worden. Das Studiendarlehen dient zur Finanzierung des Lebensunterhalts während des Studiums. Bevor man jedoch einen Studienkredit beantragt, sollte die individuelle Planung des Studiums abgeschlossen sein. Erst dann ist es möglich, die Höhe des benötigten Kapitals genau zu ermitteln.

In einigen Bundesländern, bzw. an einigen Universitäten wurden z.B. die Studiengebühren wieder abgeschafft. Generell bekommen die besten 10% der Studierenden pro Semester und Studienrichtung die Studiengebühren auf Antrag erstattet. Andere Hochschulen bieten einen speziellen Kredit nur für die Studiengebühren (Studienbeitragsdarlehen) an. Dieser ist in der Regel günstiger als die Konditionen des Studiendarlehens. Um ein Studiendarlehen überhaupt beantragen zu können, müssen je nach Anbieter verschiedene Kriterien erfüllt sein.

Verlangt wird eine Schufaauskunft, die Zusage einer privaten, staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule, je nach Anbieter ein Mindest- bzw. Höchstalter, die Herkunft ist wichtig (EU- Bürger, Deutscher Staatsbürger oder Ausländer?), eine entsprechende Aufenthaltsgenehmigung muss vorhanden sein sowie entsprechende Ausweispapiere. Manche Hochschulen haben spezielle Auswahlverfahren zur Vergabe von Studiendarlehen. Solche Förderdarlehen werden dann von einem Unternehmen zur Verfügung gestellt. Diese sind in der Regel etwas günstiger als marktüblich. Häufig sind diese Arten der Förderung allerdings mit bestimmten Regelungen hinsichtlich bestandener Prüfungen, Noten oder Studiengang verknüpft. Ein Vergleich aller Möglichkeiten im Finanzierungsmix ist unumgänglich. Dazu gehört der Weg zur Bank und zur Studienberatung.

Die Konditionen

Studiendarlehen beinhalten eine Vielzahl von Möglichkeiten, die im Rahmen einer normalen Kreditfinanzierung nicht geboten werden. Das Studiendarlehen ist nicht 100% von der Bonität abhängig. Sicherheiten wie z.B. eine Elternbürgschaft sind trotz der Höhe von durchschnittlich 30.000 Euro selten oder nicht zu stellen. Restschuldversicherungen, Risikolebensversicherungen oder Kreditversicherungen können aber verlangt werden. Unabhängigkeit von den Eltern und niedrige Vergabekriterien für Studierwillige sind herausragende Merkmale eines solchen Kredits. Voraussetzung ist allerdings, dass kein extrem negativer Eintrag in der Schufa steht, z.B. Privatinsolvenz. Die individuelle wirtschaftliche Situation wird hinterfragt (Formblatt “Selbstauskunft zur wirtschaftlichen Situation”) und ein Lebenslauf wird verlangt. Maßgeblich ist im ersten Schritt ebenfalls die Motivation des Bewerbers. Es gilt, glaubhaft zu erklären, warum und wie man das Studium bewältigen will. Ein sogenannter Studienplan wird mit dem Bankberater (oder Studienberater) erstellt. Später können Leistungsnachweise in Form von Scheinen, bzw. bestandenen Seminaren verlangt werden. Selbst ein möglicher Studienabbruch oder ein Studienwechsel ist möglich und wird mit einbezogen in den Darlehensvertrag. Der Bankberater entscheidet nach Prüfung der Unterlagen über die Kreditvergabe.

Hat man es erst einmal geschafft, bei einer Bank eine Zusage zu bekommen, sollte die Entscheidung erst im Vergleich mit anderen Angeboten getroffen werden. Dadurch, dass das Darlehen nicht sofort in einer Summe ausgezahlt wird, sondern monatlich nur eine bestimmte, im Vorfeld vereinbarte Summe, lohnt es sich die Zinsen zu vergleichen. Gegenübergestellt sollten auch Gesamtlaufzeit,  Rückzahlungsbedingungen, Ruhe- oder Karenzzeit (tilgungsfreie Zeit nach Studienende) und natürlich die Auswirkungen, wenn z.B. die im Vorfeld ausgehandelte Summe nicht ausreicht, oder aber nicht in Anspruch genommen wird. Da das Studiendarlehen im Gegensatz zum BAfög ein 100% verzinstes Darlehen ist, lohnt es sich zunächst einmal die Zinssätze anzuschauen. Dabei versteht man unter dem Nominalzins den Zins, der jährlich auf das Darlehen zu zahlen ist. Die monatlich zu entrichtende Rate bestimmt sich aus der festgesetzten Tilgung und dem Nominalzins. Da Kreditinstitute gesetzlich dazu verpflichtet sind, zusätzlich den Effektivzins anzugeben, sind in diesem neben dem Nominalzins die Bearbeitungs- und Vermittlungsgebühren bereits enthalten. Zum objektiven Vergleich der Angebote sollte deshalb der Effektivzins verwendet werden. Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Es gibt trotzdem Kosten wie Kontoführungsgebühren, Bereitstellungszinsen, Teilauszahlungszuschläge oder bestimmte Vermittlungsgebühren, die nicht im Effektivzins enthalten sind. Einige Anbieter bieten ein spezielles Auszahlungskonto. Erst von dort ist es möglich sich das Geld entweder auszuzahlen, oder es sich auf sein Privatgirokonto zu überweisen.

Ein weiterer, sehr wichtiger Aspekt ist die Zinsfestlegung. Handelt es sich um einen variablen, oder um einen festen Zinssatz während der gesamten Laufzeit, also auch später in der Tilgungsphase. Teuer kann es auch werden, wenn der Stolperstein “Zinszahlung während der Auszahlungszeit” nicht bedacht wird. Einige Anbieter verlangen schon ab der ersten Auszahlung anteilige Zinsrückzahlungen. Was anfangs vielleicht noch Cent-Beträge sind, kann sich gegen Ende des Studiums richtig addieren, da sich die Kreditsumme natürlich erhöht hat. Gerade gegen Ende des Studiums sind erfahrungsgemäß die Geldsorgen am größten. Hier ist doppelte Vorsicht geboten. Bei einem Bankinstitut etwa fallen im ersten Monat für 100 Euro Darlehen 72 Cent Zins an. Doch zum Ende der Auszahlphase bekommt der Student aus seinem fünfjährigen Kredit nur noch 57,05 Euro ausgezahlt. Andere Banken hingegen verlangen erst nach Ende der Auszahlungs- und Ruhezeit Zinsen, d.h. ab Beginn Rückzahlung. Diese Rückzahlung beinhaltet sämtliche Forderungen. Diese Phase ist im Gegensatz zum normalen Ratenkredit ebenfalls grundlegend anders geregelt. Bei allen Anbietern ist dieser Zeitpunkt genau festgelegt, egal ob man bereits einen festen Job hat oder nicht.

Nach Ende der Auszahlungsphase beginnt die Karenzzeit. Dieser Zeitraum variiert zwischen 6 und 36 Monaten nach Studienende und sollte genau bedacht werden. Lohnt es sich z.B. von Sondertilgungsrechten Gebrauch zu machen? Wie flexibel ist die Rückzahlung tatsächlich geregelt? Kann eine neue Rückzahlungsvereinbarung getroffen werden? Ist eine Umschuldung möglich? Kann eine Laufzeitänderung vorgenommen werden? Sind sämtliche Optionen ausgereizt, bzw. wird der Vertrag einfach wie verhandelt erfüllt, beginnt erst jetzt die Zeit der tatsächlichen Rückzahlung.

Fazit:

Vor Inanspruchnahme eines Studiendarlehens sind sämtliche Bedingungen und Konditionen genau zu vergleichen. Die Banken wollen mit Ihren Produkten Geld verdienen. Nach Studienende können je nach Höhe des in Anspruch genommenen Darlehens erhebliche monatliche Rückzahlungsraten auf einen zukommen, obwohl das Studiendarlehen zinsgünstiger ist als vergleichbare Ratenkredite. Nach Erhebung der ersten Daten durch die Bundesregierung beträgt die durchschnittliche Kreditsumme derzeit 490 Euro pro Monat. Dies führt bei einer Inanspruchnahme von 14 Semestern 25 Jahre lang zu einer Rückzahlung von 265 Euro. Oder noch extremer: Wird die Kreditsumme von 650 Euro über 14 Semester in Anspruch genommen, so muss der Schuldner 25 Jahre lang monatlich über 351 Euro zurückzahlen. Ist man nicht in der Lage diese Summe zusätzlich aufzubringen, schnappt die Schuldenfalle zu. Es lohnt sich deshalb auf jeden Fall vor Abschluß eines solchen Vertrages, sich sämtliche möglichen Finanzierungsformen genau anzuschauen. Eine objektive Beratung sollte nicht fehlen.

Auch die Auswahl des Kreditgebers ist wichtig. Nicht nur private Banken (z.B. der db StudentenKredit der Deutschen Bank) offerieren derartige Kredite. So kann z.B. über die Privatbanken hinaus ein KfW-Kredit (Kreditanstalt für Wiederaufbau) beantragt werden. Hierfür stellt die KfW eine Übersicht mit den verschiedenen Konditionen der Kredite bereit.
Dafür verlangen die Banken zwar eine Vermittlungsgebühr, aber es lohnt sich durchaus. Weiter gibt es den staatlichen Bildungsfonds (”Career Concept“), studentische Darlehenskassen, Stipendien, private Stiftungen usw. Ein Vergleich mit anderen Kreditformen ist schwer möglich, aber billiger als Dispositionskredite, Abrufdarlehen oder Ratenkredite ist ein Studiendarlehen immer, zumal die Konditionen optimiert sind. Da Studenten eine attraktive Zielgruppe sind, bieten Banken häufig über den Studienkredit hinaus Studentengirokonten, Finanzprodukte, Versicherungen, usw. zu günstigeren Konditionen an.

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