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Finanzen

Hintergrund: Warum gibt es Einlagensicherung?

Christopher Cederskog am 26.05.09

Der Begriff Einlagensicherung ist seit dem Beginn der Finanzkrise in aller Munde. Welcher Betrag im Ernstfall abgesichert ist, kann durch eine Abfrage auf den Seiten des Bundesverbands Deutscher Banken ermittelt werden. Warum ist Einlagensicherung aber so wichtig und welche Änderungen werden sich ergeben?

Wichtig: Es handelt sich hier um einen Abriss aus der Theorie zur Einlagensicherung. Die Gesetzgebung zur Bankenkontrolle und Einlagensicherung in Deutschland ist sehr solide und vermeidet die beschriebenen Probleme in der Praxis.

Um Einlagensicherung zu verstehen, muss man das Vertragsverhältnis zwischen dem Kunden und der Bank betrachten.

Wie funktioniert ein Einlagenvertrag?

Der Einlagenvertrag zwischen Kunde und Bank hat vier relevante Eigenschaften.

  • Die Laufzeit des Vertrages ist unendlich kurz und wird ständig erneuert. Dies erlaubt dem Kunden jederzeit die Abhebung der kompletten Einlagen ohne finanzielle Einbußen. Somit sind alle Einlagen ähnlich liquide wie Bargeld.
  • Der Einlagenvertrag ist eine Form von Darlehen, vom Kunden an die Bank. Ähnlich wie im gewöhnlichen Darlehensverhältnis besteht immer ein Risiko des Kreditgebers gegenüber dem Kreditnehmer, diesen Kredit missbräuchlich etwa in Anlagen mit höherem Risiko anzulegen.
  • Da der Einlagenvertrag nicht an anderen Märkten gehandelt werden kann, ist eine Auszahlung nicht von Marktpreisen oder –bedingungen abhängig.
  • Die Auszahlung der Einlagen findet sequentiell statt, das heißt alle Kunden werden nach dem „first come, first served“ Prinzip ausbezahlt.

Der Einlagenvertrag ist so strukturiert, dass es bei einer Überreaktion auf negative Informationen über die Solvenz der Bank leicht zu einem so genannter “Bank Run” kommen kann. Bei einem Bank Run versuchen viele Kunden, Ihre Einlagen abzuheben. Da die Bank im Normalfall nicht genügend liquide Aktiva vorhält, führt dies leicht zu einer Insolvenz der Bank.

Eine Insolvenz ist meistens weder gesellschaftlich noch volkswirtschaftlich erwünscht, da diese mit hohen sozialen Verlusten verbunden ist: Kunden können zum Teil ihre Einlagen verlieren, Kredite werden vorzeitig zurückgefordert, wodurch Kreditnehmer ebenfalls in die Insolvenz schlittern können.

Bei der Einlagensicherung geht es mehr darum, Bankenpleiten zu vermeiden, als die Kunden im Fall einer Pleite zu entschädigen. Um das zu verstehen kann es hilfreich sein, die Anreizsysteme der Bankmanager zu analysieren.

Anreizsysteme

Es ist die Aufgabe der Bank, die von Kunden gegebenen Einlagen zu investieren. Dabei muss die Bank zwischen Risiko und Rendite abwägen. Grundsätzlich gilt: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Aus Kundensicht sollten Banken in Geschäfte mit möglichst geringem Risiko investieren. Für die Manager der Bank kann es hingegen Anreize geben, möglichst hohe Renditen zu erzielen. Hier besteht ein Interessenkonflikt zwischen Bank und Einlagengebern, der durch die sofortigen Auszahlungsmöglichkeiten der Kunden kontrolliert wird.

Die Einlagensicherung ist ein Instrument mit dem versucht wird, Kunden mehr Vertrauen in die Bank zu geben und Banken dazu anzuhalten, im Interesse der Kunden zu handeln.

Beispiel eines Bank Runs: Northern Rock

Trotz Einlagensicherung kann es gelegentlich zu Bank Runs kommen. So geschehen in Großbritannien bei Northern Rock, als Kunden innerhalb weniger Tage zwischen dem 14. Und 17. September 2007 rund 2,9 Milliarden Euro abzogen. Das Institut hatte sich größere Mengen Kapital im Intra-Bankenhandel geliehen, wodurch viele Kunden einen Zusammenbruch der Bank durch steigende Zinsenbelastungen, in Verbindung mit der Subprime-Krise in den USA, befürchteten. Zudem kam es zu Panikreaktionen, nachdem einige institutionelle Anleger ihre Einlagen zurückgezogen hatten. Auch ein Notkredit der Bank of England am 13. September 2007 konnte diese Entwicklung nicht stoppen, sodass Northern Rock Mitte Februar 2008 verstaatlicht wurde, nachdem bis dahin von der Bank of England knapp 35 Milliarden Euro Kredite gewährt wurden.

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