
Christopher Cederskog am 14.08.09
Es ist nicht nur die Auslösung einer Wirtschaftskrise, das Tulpen und Immobilien gemeinsam haben, es ist die Gier vieler Investoren. Dieser Tulpen-Wahn, wie es Spiegel Online am 1. August 2009 beschreibt, verursachte die erste Spekulationsblase der Geschichte und gilt heute als Prototyp für viele darauf folgende Krisen.
Doch wie kam es zur Blumen-Krise? Zum einen war die Tulpe in den Niederlanden eine absolute Seltenheit und von den Schönen und Reichen sehr begehrt. Ursprünglich eine Wildpflanze in den Hochtälern Zentralasiens fand sie ihren Weg über Persien und das Osmanische Reich nach Europa. Als sie dann auch noch durch den von Blattläusen übertragenen Mosaikvirus befallen wurde, avancierte die Tulpe endgültig zur Modeblume der damaligen High Society. Dank des Virus kam es zu Hunderten verschiedener Sorten der an und für sich einfarbigen Blume. Doch war Tulpe nicht gleich Tulpe. Eine Sorte überraschte ihren Besitzer mit außergewöhnlichen, zweifarbig geflammten Blütenblättern. Sie war die prächtigste und auch teuerste von allen, die Semper Augustus. Eine heute im Handel leider nicht mehr erhältliche Sorte. Doch trotz der Fähigkeit, eine solche Schönheit zu erschaffen, blieb der Mosaikvirus unberechenbar. Mal entstanden mehrfarbige Blumen, dann wieder förderte er ganz gewöhnliche einfarbige. Für die Züchter war der Virus ein Segen, für die Investoren und Spekulanten ein riskantes Unterfangen, handelten sie doch mit Zwiebeln, deren Blüte unersichtlich war.
Diese Seltenheit und die große Nachfrage hatten ihren Preis. 1633 konnte man ein Haus für lediglich zwei Tulpen-Zwiebeln erwerben. Und das, obwohl es gute neun Monate dauerte, bis die Tulpe zu ihrer vollen Pracht erblühte. In den Jahren darauf nahm der Wert der Blume noch weiter zu. Die Chance auf das große und vor allem schnelle Geld rief Laien auf den Plan. Viele verkauften ihr Hab und Gut, um es in Tulpen zu investieren. Die Spekulanten begannen im Jahr 1635 mit Tulpen-Derivaten zu handeln. Blumen wurden in voller Blüte ausgegraben und eingetrocknet, um den potentiellen Käufern einen Ausblick auf die zu erwerbende Ware zu geben. Es gab Anteilsscheine auf die Tulpen-Zwiebeln, handelbare Bezugsrechte sowie Terminkontrakte und Schuldscheine auf Zwiebeln, die noch in der Erde steckten. Die Blumen wechselten mehrmals täglich ihre Besitzer, ohne dass sie auch nur ein einziger jemals zu Gesicht bekommen hätte.
Die Blase platzte letztendlich 1637 während einer Auktion. Als es dem Auktionator nicht möglich war, die geforderten Preise zu erzielen und er Abschläge zugestehen musste, machten die Investoren plötzlich Verluste. Diese Neuigkeit verbreitete sich wie ein Lauffeuer, so dass bald jeder versuchte, sein Tulpen-Kapital zu dem geringst möglichen Verlust zu verkaufen. Die Preise fielen ins Bodenlose und ebenso wie in unserer Zeit, musste der Staat eingreifen, um ein totales Chaos zu verhindern. Die Städte entschieden, dass die Tulpen als Ware zu behandeln sind und zu 3,5 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises abgegolten werden konnten. Diese Preissenkung ging zu Lasten der Züchter und sollte ein Übergreifen der Krise auf weitere Wirtschaftssektoren verhindern.
Der Hergang der Blumen-Krise war beispielhaft für folgende Wirtschaftskrisen. Was auf dem Sektor der Liebhaber und Kenner begann, weitete sich rasch und systematisch in einen Erwerbssektor aus, der große Gewinne versprach. Dies lockte Laien und Spekulanten an und führte zu einem undurchschaubaren Gewirr aus Finanzprodukten, das die Obrigkeit nach dem Crash wieder entwirren musste.
Es ist fraglich, ob man aus Fehlern der Vergangenheit lernen kann.